Kaltes, klares Wasser
Audio Research DSi200

Testbericht von Marius Donadello 14. September 2010

Audio Research DSi200: Kaltes, klares Wasser

Digitalverstärker sind auf dem Vormarsch - im High End-Segment wohlgemerkt. Dort fanden sie bislang wenig Gehör, und falls doch, lösten sie keine Begeisterungsstürme aus. Wie immer, wenn eine grundlegend andere Technologie in neuen Anwendungsfeldern eingesetzt wird, entwickeln sich die Konzepte über ein paar Jahre hinweg zur Reife. Audio Research will diesen Punkt nun mit dem Class D-Vollverstärker DSi200 erreicht haben und verspricht gar einen klanglichen Durchbruch.

Auch im Bereich der Verstärkerelektronik ist High End wieder so richtig in Bewegung gekommen: Nach ein paar zumindest kommerziell nicht besonders erfolgreichen Class D-Vorstößen einiger Hersteller innerhalb der letzten Jahre kommen jetzt die ersten Komponenten einer zweiten Generation von Kraftwerken mit digitaler Endverstärkung. Ähnlich wie früher die Transistortechnologie kämpfen Digitalverstärker derzeit allerdings noch um breite Anerkennung in audiophilen Kreisen. Einer dieser vielversprechenden Novizen, der alle Vorbehalte vom Tisch spielen will, ist der Stereo-Vollverstärker DSi200 der amerikanischen Traditionsmarke Audio Research. Ausgerechnet, mag man auf den ersten Blick denken. Immerhin gilt Audio Research nicht nur seit drei Jahrzehnten als eine Ikone des Verstärkerbaus, sondern auch als Verfechter der Röhrentechnologie. Überhaupt ist Audio Research in besonderem Maße mit klassischen Werten und einer produktiven Portion Eigensinn assoziiert; sei es nun technisch oder optisch. Was ist also passiert, zerbröseln die Urgesteine unter dem wachsenden Druck der Green Technology-Regulierungen? Nun, ein gewisser Handlungsbedarf lässt sich sicher nicht leugnen, um auch künftig mit Recht und gewandeltem Konsumentenbewusstsein konform zu bleiben, aber Audio Research - und ebenso die anderen Vorläufer - verweisen zu Recht auf das klangliche Potenzial Chip-basierter Verstärkerschaltungen: Einerseits konnte es bislang nur nicht voll ausgeschöpft werden und andererseits kehrten viele Hersteller bei Class D-Konstruktionen auch außerhalb der Endverstärkungstopologie von Bewährtem ab. Genau dies tunlichst zu unterlassen war einer der Hauptansatzpunkte für die Entwicklung der „Definition Series“, dessen erstes Produkt der DSi200 ist - hier zeigt sich Verstärkerbau nach klassischen Regeln der Kunst wohin das Auge blickt.