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Klangerlebnis der Superlative:
dCS Varèse-Event bei Audio Reference

Audio Reference lud einen kleinen Kreis von Pressevertretern zu einer Vorführung des exklusiven Referenz-Systems Varèse von dCS. Eine außergewöhnliche Gelegenheit - geeignet, Grenzen der Hörerfahrung zu verschieben.

Reportage von Marius Donadello
8. April 2026, Fotos: AV-Magazin

Die Quellen und D/A-Wandler des britischen Digitalspezialisten dCS haben bereits das ein oder andere Mal die zu jeweiligen Zeitpunkten bestehenden klanglichen Grenzen verschoben. Schon recht kurz nach der Gründung im Jahr 1987 hatte sich dCS unter Audiophilen und Fachleuten einen ausgezeichneten Ruf erworben, besonders der analoge Klangcharakter der CD-Player und DACs - sowie später auch der Streamer - aus Cambridge sorgte immer wieder für Aufsehen in der Szene. Die betrat dCS Anfang der Neunziger Jahre nicht unvorbereitet, denn Firmengründer Mike Story widmete sich nach seinem Studium an der Oxford University zusammen mit einigen der klügsten Köpfe, die er aus Oxford kannte, ganz der Entwicklung von Signalumwandlungstechnologien. In dieser Zeit entwickelte dCS unter anderem ein Flugradarsystem im Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums, während Mike Story quasi nebenbei mit seinem Ingenieurteam erforschte, wie sich das Know-how für digitale Audiotechnik anwenden lässt. Nach regem Dialog mit zwei befreundeten Toningenieuren und deren positivem Feedback konzentrierte sich die Unternehmung ganz auf Audio-Anwendungen.

Kein einfaches Erfolgsrezept

Mit den mächtigen Chronosonic XVX von Wilson Audio und den nicht minder imposanten Momentum-Endstufen von Dan D’Agostino standen adäquate Spielpartner zur Verfügung (Bild: AV-Magazin)

Das Erfolgsrezept von dCS ließ sich nie in einem einzigen Schlagwort zusammenfassen, allerdings spielt eine proprietäre Wandlertechnologie dabei die zentrale Rolle: Der sogenannte Ring-DAC. Bereits die beiden ersten Geräte von dCS, der für Produktionszwecke entwickelte Analog-Digital-Wandler »900« und der erste Digital-Analog-Wandler des Hauses, der 1993 vorgestellte »950«, basierten auf der patentierten, seither immer weiter perfektionierten »Ring-DAC«-Technologie. Der »950« durfte sich seinerzeit zudem rühmen, der weltweit erste 24-Bit-DAC zu sein. Die Hardware des Ring-DAC ist fast vollständig diskret aufgebaut und ähnelt mit Widerständen und zustandsgesteuerten Flipflops einem Ladder-DAC. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zu Ladder-DACs, die sich auf breiter Ebene nie durchsetzen konnten: Die Spannungsquellen des Ring-DAC haben immer den gleichen Wert, wobei die jeweils geschalteten Spannungsquellen in Summe stets den gleichen Spannungswert an den Summenbus liefern.

Eine einzigartige Wandlertechnologie

Der spezielle Vorteil dieser Wandlerarchitektur baut auf diesem Umstand auf: Der Ring-DAC verwendet für dasselbe Bit nicht immer dieselben Kombinationen von Spannungsquellen. Für jedes Bit kann jede beliebige Kombination geschaltet werden, deshalb sind bei der D/A-Wandlung entstehende Fehler nicht mit dem Audiosignal korreliert. Eine selbst entwickelte, »dCS Mapper« genannte Software steuert, welche Spannungsquellen zu einem bestimmten Zeitpunkt an- beziehungsweise ausgeschaltet werden, um das richtige Signal für jedes Bit zu generieren. Diese kontinuierlich perfektionierten Algorithmen sind in einen leistungsstarken FPGA implementiert. Sie steuern die Spannungsquellen mit Verteilungsmustern an, die Rauschen außerhalb des hörbaren Spektrums verlagern und anschließend filtern, sodass Übersprechen und Verzerrungen minimiert werden. Auch die zahlreichen Filter für die Signalaufbereitung (sechs für PCM, fünf für DSD) wurden selbst entwickelt, dem Zufall wird hier rein gar nichts überlassen.

Wilson Audio-Sales Director Peter McGrath, Audio Reference-Geschäftsführer Mansour Mamaghani, dCS Export Sales Director Alasdair McDonald und Dan D’Agostino-Vizepräsident Alexander Wilde nahmen sich viel Zeit für Gespräche (v.l.n.r.) (Bild: AV-Magazin)

Beispielloser Aufwand

Die Variation der Marken-typischen Linienführung präsentiert das Referenzsystem in reizvoller Ästhetik (Bild: AV-Magazin)

Der kompromisslose Ansatz setzt sich bei der Hardware fort, das Team um Chris Hales und Andy McHarg erforscht Details, die vielerorten schlicht unter den Tisch fallen. So weist beispielsweise schon bei der Einstiegskomponente, dem Lina DAC, der aus dem Vollen gefräste Gerätesockel im Inneren eine resonanzoptimierte Struktur auf. Varèse setzt diesbezüglich dem Ganzen die Krone auf, jahrelange Entwicklungsarbeit mündete in einem Statement, das die DNA von dCS pur verkörpert. Das System besteht aus fünf Komponenten: Das Herzstück ist der sogenannte Core, der die Eingangssignale annimmt und vor ihrer Weiterleitung an die Wandler unter anderem mit mehreren Filterstufen und Noise Shaping aufbereitet. Für die Kommunikation der Komponenten untereinander kommt das neu entwickelte Protokoll »Actus« zum Einsatz, das Musik-, Steuer- und Taktsignale über eine Leitung überträgt. Als weitere Komponente gehört eine Masterclock zum System, deren Taktsignale über das neu entwickelte, patentierte Clocking-Protokoll »Tomix« übertragen werden.

Mono-D/A-Wandler mit differentiellem Ring-DAC

Alasdair McDonald erläutert die komplexe Technologie des neuen Differentiellen Ring-DAC (Bild: AV-Magazin)

Die Wandlersektion des Varèse-Ensembles ist erstmalig vollständig kanalgetrennt mit zwei physisch separaten Mono-DACs aufgebaut. Sie beinhalten mit dem »Differential Ring DAC« eine umfangreiche Weiterentwicklung des Ring-DAC, das wesentliche konstruktive Element ist hierbei die Verdopplung der Anzahl der Spannungsquellen auf 96 pro Mono-Wandler. Sie arbeiten in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei 48 Spannungsquellen das Musiksignal mit der korrekten Phase reproduzieren während die zweite Gruppe das Signal gegenphasig reproduziert. Der Clou: Die Ausgangssignale der beiden Gruppen werden anschließend differenziert, was in einem phasenrichtigen Signal mit der doppelten Amplitude resultiert, das keine Gleichstromkomponente enthält. Verkürzt gesagt ist infolgedessen die Stromaufnahme unabhängig vom konvertierten Musiksignal immer gleich, wodurch die Spannungsquellen des Ring-DAC mit besonders sauberer Referenzspannung versorgt werden. Das schon angesprochene Clocking-Protokoll »Tomix« soll die absolute Synchronizität der beiden Mono-Wandler gewährleisten. Als Hardware-Pendant zum Schnittstellen-Protokoll »Actus« wurden die »Actus«-Kabel entwickelt, die sich aus sechs paarweise verdrillten Kupferlitzen zusammensetzen. Noch einmal zum besseren Verständnis: Diese Kabel transportieren sämtliche Signale zwischen den Geräten mithilfe des Schnittstellen-Protokolls »Actus« sowie des Clocking-Protokolls »Tomix«.

Bedienung am separaten Steuergerät und mit neuer App

Alasdair McDonald zeigt das Innenleben eines Varèse Mono-DAC (Bild: AV-Magazin)

Die fünfte Komponente des Varèse-Systems bildet das »User Interface«, ein Gerät in klassischer Komponentengröße mit großem Farb-Touchscreen. Für die Anzeige stehen diverse Einstellmöglichkeiten zur Verfügung, das Steuergerät verbindet sich via Bluetooth LE mit einer neu gestalteten Fernbedienung. Sie bringt mit ihrer runden Form einen interessanten Gestaltungsaspekt ins Spiel, in der Mitte befindet sich ein großer, ergonomisch geformter Druck-Drehregler zur Steuerung aller Funktionen. Die ebenfalls neu gestaltete App »Mosaic Actus« sorgt für noch mehr Übersicht und ermöglicht sämtliche der zahlreichen Einstellmöglichkeiten des Varèse-Systems vorzunehmen. Dazu zählen unter anderem die Wahl der Filter für PCM und DSD, die Konfiguration der Anzeige und die Auswahl des Mappers.

Last, but not least komplettiert ein dediziertes CD/SACD-Laufwerk als sechste Komponente das Ensemble für all jene, die das klangliche Maximum aus ihren Silberscheiben herausholen wollen.

Macht sich der technologische Aufwand im Klangerleben bemerkbar?

Die »Actus«-Kabel werden vom Spezialisten Lemo für dCS gefertigt (Bild: AV-Magazin)

Was darf man sich von einem solchen System erhoffen? Schrauben sich nicht zuletzt eingedenk des Verkaufspreises von 299.000 Euro die Erwartungen in unerfüllbare Höhen? Oder ist nicht bei Referenz-Digitalsystemen inzwischen ein Niveau erreicht, das sich nur noch marginal steigern lässt? Und hört man derlei Detailverbesserungen wirklich? Fragen, die sicherlich dem einen oder anderen durch den Kopf gehen, wenn man ein Statement wie Varèse betrachtet, dass mit seinem Preispunkt nicht allein dasteht und diese Fragestellungen hier im Grunde auch nur stellvertretend für viele Spitzenprodukte des obersten High-End-Segments aufwirft. Das mit der Top-Anlage im Hörraum von Audio Reference Erlebte zu beschreiben kann natürlich nur einen gewissen Eindruck vermitteln, insbesondere deshalb sei gesagt: Die Bedenken, ob man einen wesentlichen Unterschied hört, zerstreuen sich binnen Sekunden - und das, obwohl im direkten Vergleich ein dCS Vivaldi-System spielte. Das Bessere ist nun mal des Guten Feind, zumal auch auf sehr hohem Niveau bestimmte technische Verbesserungen Großes bewirken können. Jeder, der schon einmal eine sehr gute Komponente mit einer deutlich besseren verglichen hat, wird das unmittelbar nachvollziehen können. Und noch eins sei vorausgeschickt: Bei diesem Vergleich ging es keineswegs bloß um Details.

Das Uncanny Valley

Alasdair McDonald führte mit ein paar interessanten Titeln vor, deren Auswahl sich nicht allein an der Produktionsqualität orientierte - danke! In rund einer halben Stunde mit Singer-Songwriter, Jazz und Pop, wobei bei den jeweiligen Stücken direkt zwischen Vivaldi und Varèse umgeschaltet wurde, ist vor allem eines klar geworden: Einzelne Klangkriterien können der Beschreibung dienen, aber das Varèse spielt grundsätzlich auf einem ganz anderen Niveau. Den Rest des Nachmittags durften wir mit persönlichen Lieblingsstücken und eigenem Testrepertoire hören, konnten in Ruhe erste Eindrücke verarbeiten und vertiefen. Peter McGrath hatte sogar einige seiner selbst produzierten, klanglich hervorragenden Klavier-Aufnahmen dabei und nahm sich viel Zeit, auch um Produktionsdetails zu erläutern - herzlichen Dank an diese Stelle auch dafür! Klaviersolo, Klavier mit Streichquartett, makellose Aufnahmen, diese Anlage und reichlich Zeit - ein Fest! Einzig im Nachgang ein wenig eingetrübt von der erneuten schmerzlichen Erkenntnis, wie viel Authentizität bei den gängigen käuflichen Produktionen wegen deren Dynamik-Limitierungen verloren geht. Jetzt dagegen steht der Flügel in Lebensgröße, voller Vitalität, auf einer weitläufig ausgedehnten Bühne, es klingt wie in den ersten Reihen bei einem Live-Konzert. Die Autorität des Instruments, der Nachhall im Raum bei Forte-Passagen, der dynamische Umfang des Klaviers und die völlig natürlich wirkende Klangfarbenpracht - der gebotene Realismus ist faszinierend. Der Robotik-Ingenieur Masahiro Mori beschrieb mit dem »Unheimlichen Tal« einen Grad von Realismus, bei dem humanoide Roboter auf irritierende, womöglich faszinierende Weise menschenähnlich, jedoch nicht täuschend echt wirken. Jenes diffuse Unbehagen ist ein generelles Wahrnehmungsphänomen, das in der Blütezeit der KI sicherlich bedeutsamer denn je ist. Übertragen auf die technische Vermittlung von Musik darf man zweifelsohne sagen: Das Varèse-System ist jenseits dieser Schwelle angesiedelt.

Alasdair McDonald ist mit der Resonanz auf Varèse hochzufrieden. Gleichzeitig stellt er klar: »Unser Ziel war keineswegs, ein möglichst exklusives System zu entwickeln, das nur einem kleinen Kreis von Musikliebhabern zugänglich ist. Wir wollten die Grenzen des Machbaren neu ausloten, was wir als unsere ständige Aufgabe verstehen. Ohne solche Projekte kann man in anderen Segmenten keinen Fortschritt erzielen.« (Bild: AV-Magazin)
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dCS Varèse

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