Canton GLE 30 S2 im Test:Wohnraumfreundlicher Kompaktlautsprecher mit großem Klang
Mit der Neuauflage der GLE-Serie bietet Canton leistungsfähige Lautsprecher für Musik und Heimkino an, die kein großes Loch ins Portemonnaie reißen. Nachdem wir bereits das Standmodell GLE 80 S2 getestet haben, prüfen wir jetzt, wie erwachsen die Kompaktbox GLE 30 S2 klingt.
Testbericht von Marius Donadello20. Februar 2026, Fotos: Hersteller, AV-Magazin
Wenn es um Lautsprecher geht, zeigt sich ein zeitgenössisches Dilemma besonders deutlich: Die Schallwandler sollen gut klingen und sich gleichzeitig dezent in das Wohnambiente einfügen, sprich, nicht allzu groß sein. Doch aller modernen Technik und Ingenieurskunst zum Trotz lassen sich physikalische Gesetzmäßigkeiten nun mal nicht aushebeln, deshalb müssen Interessierte in der Praxis einen vernünftigen Kompromiss zwischen Physis und Schallleistung finden - mit anderen Worten, Prioritäten setzen. Die liegen inzwischen häufiger auf einem aufgeräumten Wohnumfeld, weshalb sich Hersteller, die bestmöglicher Klangqualität verschrieben sind, zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert sehen. Canton hatte früh begonnen, gesteigerten Wert auf gutes Design zu legen und begegnet den diesbezüglich veränderten Anforderungen seit einigen Jahren auf mehrerlei Weise. Zunächst liegt der Fokus auf einem diversifizierten Portfolio, das sowohl die Bedürfnisse für Stereo-Anlagen als auch für Heimkino-Systeme unterschiedlicher Ausbaustufen abdeckt. Infolge dessen werden innerhalb der regulären Serien mindestens zwei passive Standlautsprecher und - mit Ausnahme der Reference-Serie -, mindestens ein passiver Kompaktlautsprecher angeboten.
Im Falle der neuen, nochmals erweiterten GLE-Linie, die den Einstieg in die Klangwelt von Canton markiert, ist das Modellangebot besonders üppig: Nicht weniger als vier Standlautsprecher und zwei Kompaktboxen decken allein den stereofonen Bedarf ab. Hinzu kommen ein Center, drei Subwoofer, ein Dolby Atmos-Lautsprecher und eine Dolby Atmos-Variante der zweitgrößten Standbox GLE 90 sowie drei Wandlautsprecher und ein Wand-/Deckenlautsprecher. Innerhalb dieses beispiellos breiten Angebots dürfte sich für jedes Szenario und für jeden Anspruch eine passende Zusammenstellung finden, zumal die jeweiligen Modelle in klanglicher Hinsicht selbstverständlich bedenkenlos miteinander kombiniert werden können. Wer mit einer Kompaktbox liebäugelt, hat innerhalb der neuen GLE-Serie die Wahl zwischen zwei Maximen: Der GLE 20 S2 ist so klein wie möglich gehalten, während der hier vorstellige, etwas größere GLE 30 S2 mehr Klangvolumen verspricht. Dafür ist zum einen sein etwas größeres Gehäuse verantwortlich, obgleich sich die beiden Kompaktboxen in ihren Abmessungen nur geringfügig unterscheiden: Der GLE 30 S2 misst einen Zentimeter mehr Tiefe, ist zwei Zentimeter breiter und baut rund sechs Zentimeter höher. Zum anderen fällt sein größerer Tiefmitteltöner ins Gewicht, der mit 174 Millimetern Durchmesser zwei Zentimeter größer ist als das im GLE 20 S2 verbaute Exemplar.

- Mit dem umfangreichen Modellangebot kann man ein vollständiges Dolby Atmos-System aufbauen (Bild: Canton)
Kompakte Box ganz groß

- Besonders bei der schwarzen Gehäuseausführung ein Eyecatcher: Die Aluminium Black- und Aluminium Titan Black-Membrane (Bild: Canton)
Auch dieser Größenunterschied mag nicht gravierend erscheinen, macht sich jedoch klanglich durchaus bemerkbar. Auf dem Datenblatt resultiert aus der größeren Dimensionierung von Gehäuse und Treiber ein um immerhin 2,5 Dezibel erhöhter Wirkungsgrad sowie eine tiefere Grenzfrequenz. Die Weiche des 2-Wege-Systems trennt im Zuge der auf das Innenvolumen und die Membranfläche abgestimmten Auslegung bei 3 Kilohertz und erweitert somit den Wirkungsbereich des Konustreibers im Vergleich zum Übergabepunkt des GLE 20 S2 und den Arbeitsbereichen der Mitteltöner in den vier Standlautsprechern um 200 Hertz nach oben. Entwicklungsleiter Frank Göbl setzt dabei wie üblich auf sanfte Roll-Offs mit Filtern 2. und 3. Ordnung. Darüber hinaus verfügt der GLE 30 S2 über eine Bassreflex-Abstimmung, die über eine rückwärtige, in Höhe des Hochtöners positionierte Reflexöffnung ventiliert. Kräftige Magnetsysteme, die neueste Generation der dreifach gefalteten Wave-Sicke und strömungsoptimierte Chassiskörbe aus Polycarbonat zählen zu den Detailmaßnahmen, die einem ausgewogenen und substanziellen Klangbild dienen.
Neben der Produktvielfalt und sorgfältiger Optimierung bildet die Entwicklungstiefe eine weitere strategische Säule im Wettbewerb um designorientierte und zugleich klangbewusste Klientel. Sie wird bei einem genauen Blick auf das Membranmaterial der Chassis besonders deutlich, das entwickelt wurde, um die Präzision der Treiber zu erhöhen. Die Verantwortlichen in Weilrod hatten jahrelang in entsprechende Entwicklungsarbeit investiert und damit Canton in die Lage versetzt, Membrane genau nach eigenen Vorstellungen selbst herstellen zu können. Diese Unabhängigkeit von Zulieferern ermöglicht es auch, im Einstiegssegment angesiedelte Lautsprecher mit eigenständiger Membrantechnologie auszustatten. Diese seit drei Jahren eingesetzte Technologie ist inzwischen in unterschiedlichen Varianten entwickelt worden, die eines gemeinsam haben: Sie beruhen produktionsseitig auf einem Eloxalverfahren, mit dem der Ausgangswerkstoff Aluminium veredelt und für die Beimischung weiterer Metalle vorbereitet wird.

- Der Waveguide sorgt zusammen mit einem Diffusor im Schutzgitter für eine breite Schallabstrahlung (Bild: Canton)
Bei der für die GLE-Serie eingesetzten, zuvor für die Vento-Serie entwickelten Variante wird die Aluminiumoberfläche vereinfacht gesagt porös gemacht, damit sie die anschließend beigemengte Mischung verschiedener Metalle aufnehmen kann. Ein Bestandteil dieser Mixtur, die ein Firmengeheimnis bleibt, färbt die Membrane schwarz, der Hochtöner wird daher »Aluminium Black (AB)«-Hochtöner genannt. Diese 25-mm-Kalotte ist von einem flachen Waveguide umgeben, der zusammen mit einem genau berechneten Diffusor im Zentrum des Lochgitters eine weitwinkelige Schallabstrahlung bewirkt und so ein ausgewogenes Klangbild innerhalb einer breiten Hörzone gewährleisten soll. Die Aluminiummembran des Konustreibers wird im Eloxalbad auf dieselbe Weise behandelt wie die Kalotte und bekommt die gleiche Metallmischung zugesetzt, allerdings wird hier zusätzlich Titan beigegeben, um eine höhere Steifigkeit zu erreichen. Dementsprechend bezeichnet Canton die Tiefmittel- und Tieftöner der GLE S2-Serie als »Aluminium Titan Black (ATB)«-Chassis.

