Galion Audio TS P75 und TS A75 im Test:Aufstellung & Inbetriebnahme
Zur Inbetriebnahme der Geräte gibt es nicht viel zu beachten. Sie sind exakt gleich breit und tief und können damit problemlos übereinandergestellt werden. Die schwere Endstufe gehört dabei natürlich nach unten. Funktional spricht nichts dagegen, die P75 direkt auf die A75 zu stellen, auch wenn eine Aufstellung nebeneinander aus Gründen der Wärmeabfuhr sicher leichte Vorteile hat. Vor- und Endstufe werden über die üblichen Kaltgeräte-Netzkabel mit Strom versorgt. Kabel liegen den Geräten nicht bei, sind aber als passendes Zubehör von Galion erhältlich. Die Vorstufe verfügt über zwei Cinch-Ausgänge, von denen einer mit dem Cinch-Eingang der Endstufe verbunden wird. Auch hierfür bietet Galion passende Verbindungskabel an. Ein kleiner Fallstrick lauert an der Endstufe: Zwischen den Cinch- und XLR-Eingängen wird über einen Schalter umgeschaltet. Die richtige Stellung muss für beide Kanäle gewählt werden, sonst bleibt es still.
Die Lautsprecher werden an den massiven Schraubklemmen der A75 angeschlossen. Diese nehmen alle gängigen Verbinder auf: Kabelschuhe, Bananenstecker oder blanke Litzen. Für unseren Test verwenden wir hochwertige Oehlbach-Flachbandkabel mit Bananensteckern, um die Teufel Definition 3S mit der Endstufe zu verbinden. An zwei der vier Eingänge der Vorstufe schließen wir unsere Quellen an: Einen Accuphase DP-57 CD-Player und eine Röhrenphonovorstufe, die das Signal eines Linn LP12 aufbereitet.
Die Vorstufe besitzt einen harten Netzschalter auf der Rückseite, der das Gerät in den Stand-by-Modus versetzt, sowie einen Taster auf der Front zum Aktivieren des Betriebs. Nach dem Einschalten blinkt der Stand-by-Taster etwa 70 Sekunden lang. In dieser Zeit heizen die Röhren auf und das Gerät bleibt stumm geschaltet. Erst danach werden die Ausgänge freigegeben. In den darauffolgenden Minuten stabilisieren sich die Röhren weiter und erreichen nach den ersten Musikstücken ihre endgültige Betriebstemperatur. Die Einspielzeit der Geräte gibt Galion mit rund 200 Stunden an. Ein Glück, dass unsere Testmuster nicht mehr fabrikneu sind – so können wir schneller hören, was in ihnen steckt.

- Optional kann der TS A75 Poweramp auch per symmetrischen Signalen via XLR-Inputs betrieben werden (Bild: Galion Audio)
Klang – offen, dynamisch und mitreißend

- Der Klassiker von Pink Floyd mal ganz anders interpretiert: Jazz Side of the Moon
Im Hörraum zeigt die Kombination aus Galion TS P75 und TS A75 sehr schnell, wohin die Reise geht. Die Hybridarchitektur verleiht dem Klangbild eine Mischung aus Geschmeidigkeit und Kontrolle, die man in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet. Zusammen mit den bestens spielenden Teufel Definition 3S entsteht ein Charakter, der gleichermaßen transparent wie farbig wirkt. Die Bühne spannt sich breit auf, bleibt dabei präzise strukturiert und reicht überraschend tief. Interessant ist, dass die Kombination ihre Bühne eher nach vorne öffnet. Dadurch sitzt man quasi mitten im musikalischen Geschehen, ohne dass es irgendwie aufdringlich wird.
Ungebremste Dynamik gehört zu den größten Stärken dieser Kombination. Schnelle Impulse setzt sie mit einer Spritzigkeit um, die die Musik unglaublich lebendig wirken lässt. „Jazz Side of the Moon“ wird zu einem Erlebnis aus atmosphärischer Präsenz, greifbarem Raum und einer Rhythmik, die sofort mitnimmt. Die Schlagzeugattacken sind knackig, Bassläufe klar umrissen, während Saxophon und Orgel total organisch und natürlich klingen. Genau diese Mischung aus Offenheit und Substanz macht den Reiz der Kombination aus.
„London Calling“ von The Clash zeigt eine andere Facette: Die Galion-Kombi bringt eine moderne Klarheit ins Spiel, die das Album fast zeitgenössisch wirken lässt, obwohl es mittlerweile ziemlich genau 46 Jahre auf dem Buckel hat. Auch bei „Room on the Porch“ von Taj Mahal glänzt die Kombination aus Galion und Teufel: Gitarren klingen holografisch, Basslinien pulsieren sauber und körperhaft, und die gesamte Szene wirkt wie aus einem Guss. Diese Aufnahme bekommt eine warme, einladende Wohlfühlatmosphäre, ohne an Präzision zu verlieren. Bei „London Brew“ zeigt sich die neutrale, kontrollierte Seite des Duos. Der Mix erscheint klarer, heller, weniger verrucht als in manch dunkler abgestimmter Anlage. Die Komplexität bleibt durchhörbar, die einzelnen Instrumente stehen sauber im Raum, wirken aber einen Hauch weniger mystisch, was je nach persönlichem Geschmack ein Vorteil oder eher Stilbruch sein kann. „Golden Years“ von Tocotronic schließlich profitiert von der hohen Durchzeichnung der Galion-Kombi. Tocotronic gehören normalerweise zu den eher getragenen, atmosphärischen Bands. Über die Galion-Kombi wirken die Songs jedoch offener und leichtfüßiger, ohne ihre melancholische Grundstimmung zu verlieren. Die Transparenz der Vor-/Endstufe bringt Details und Texturen ans Licht, die in zurückhaltenderen Setups auch untergehen könnten.
Unterm Strich spielt die Kombination spritzig, detailreich und farbig, ohne analytisch zu wirken. Sie betont Klarheit und Struktur, bleibt aber musikalisch und fließend. Die tonale Grundausrichtung würde ich klar auf der hellen, modernen Seite verorten, nicht kühl, aber frisch, offen und mit einer Transparenz, die man sofort als „high-endig“ empfindet. Zusammen mit den unterschätzten Teufel-Lautsprechern entsteht ein Setup, das schlicht Freude macht und unabhängig vom Musikstil mit Präsenz und Spielfreude überzeugt. Fehlende Leistung ist aus meiner Sicht überhaupt kein Thema. Die Kombi wirkte in unserem Test an keiner Stelle irgendwie überfordert und hat reichlich Leistungsreserven. Die Kühlrippen der Endstufe wurden zu keinem Zeitpunkt auch nur handwarm.

