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Galion Audio TS P75 und TS A75 im Test:
Signalreinheit mit Röhrencharakter

Für den Anschluss von Audioquellen stehen bei der TS P75 vier Line-In und zwei Outputs zur Verfügung (Bild: Galion Audio

Die TS P75 ist Herzstück und Schaltzentrale der Kombination, denn hier entscheidet sich, wie fein und sauber das Musiksignal letztlich die Endstufe erreicht. Galion setzt auf eine klassische Röhrenarchitektur mit vier Röhren vom Typ 12AT7, die in Europa als ECC81 bekannt und eng verwandt mit den höher verstärkenden ECC82 und ECC83 sind. Röhren setzt Thomas Tan nicht aus Nostalgie ein, sondern weil er hier die Qualitäten findet, die er für musikalische Natürlichkeit braucht. Röhren sollen in diesem Fall nicht weichzeichnen oder romantisieren, sondern dem Signal jene Geschmeidigkeit und Offenheit verleihen, die vielen Transistorvorstufen fehlt. Genau in diesem Bereich will Tan seinen eigenen klanglichen Anspruch abbilden.

Auch wenn die TS P75 bei Galion hinter dem Navy Tube Preamp die kleinere Vorstufe ist: Beim Blick ins Innere wird schnell klar, dass auch die TS P75 kein Einstiegsprodukt ist. Die großen, blau schimmernden ClarityCap-Kondensatoren, dazu Bauteile von Solen und Jupiter Audio, zeigen, wie ernst es Galion mit der Qualität meint. ClarityCap zählt seit Jahren zu den renommierten europäischen Herstellern hochwertiger Folienkondensatoren und ist vielen aus Oberklasse-Lautsprecherweichen vertraut. Solen aus Frankreich baut besonders schnelle und verlustarme Polypropylen-Typen, die für dynamische Signalführung geschätzt werden. Jupiter Audio wiederum geht einen fast handwerklichen Weg und fertigt Kondensatoren aus Papier-, Wachs- und Metallfolienmaterialien, die für ihre organische, feinfühlige Charakteristik bekannt sind. Diese Bauteile sind keine Fließbandware, sondern bewusst gewählte Komponenten, deren klanglicher Einfluss gerade in einer Vorstufe hörbar wird. Dazwischen finden sich auch die roten WIMA-Folienkondensatoren, die seit Jahrzehnten als verlässlicher industrieller Qualitätsstandard gelten und in vielen anspruchsvollen Audiogeräten zu Hause sind.

Auch das Alps-Potentiometer verrät den Anspruch, denn es gehört zu den zuverlässigsten Lösungen, wenn es um präzise und langfristig stabile Lautstärkeregelung geht. Diese Auswahl findet man üblicherweise in deutlich höheren Preisklassen, hier aber ist sie Teil des Konzepts. Die vier verbauten Röhren kommen vom jungen chinesischen Hersteller PSVANE, der erst 2011 gegründet wurde. Seit dem haben es sich die Ingenieure dort zur Aufgabe gemacht, historische Röhrentypen mit modernen Produktionsmitteln in bester Qualität zu produzieren und damit eine stabile Versorgung der Audiogemeinde mit hochwertigen Röhren sicherzustellen. Ein schöner Nebenaspekt an Röhrengeräten ist übrigens, dass man durch die bewusste Auswahl der Röhren den Sound der Geräte subtil verändern und an die eigenen Vorlieben anpassen kann. So wird dem Spieltrieb genüge getan, ohne dass ständig neue Geräte angeschafft werden müssen. Der interne Aufbau der TS P75 ist aufgeräumt und übersichtlich. Die Schaltung ist auf einer Platine untergebracht und nur dort freiverdrahtet, wo es notwendig ist. DieseVerdrahtung wirkt bewusst aufgeräumt und mechanisch solide. Nichts ist hier übergestaltet, aber alles wirkt zweckmäßig und durchdacht. Insgesamt ist die Vorstufe ziemlich puristisch und beschränkt sich auf den eigentlichen Zweck: Hochwertige Klangeigenschaften zu liefern. Eine Klangregelung oder anderen Schnickschnack gibt es daher nicht. Vier Eingänge, zwei Ausgänge und eine Einschaltverzögerung zum Vorheizen der Röhren, das war’s. Mehr braucht es aber auch nicht. Für Komfort sorgt die hochwertige Fernbedienung aus Metall, mit der sich alle Funktionen der Vorstufe auch von der Couch aus bedienen lassen.

Bei der Bauteile-Auswahl hat Galion Audio nicht gespart, sondern hochwertige und klanglich unbestechliche Komponenten eingesetzt (Bild: Galion Audio)

Die Endstufe TS A75
Leistungsreserven durch Halbleitertechnik

An den massiven und kontaktsicheren Lautsprecher-Anschlussklemmen vom Hersteller WBT steht satte Power zur Verfügung (Bild: Galion Audio)

Die Endstufe TS A75 übernimmt den Part, der im Zusammenspiel mit einer guten Vorstufe den Charakter einer Anlage maßgeblich prägt: Sie muss das sauber vorbereitete Signal nicht nur verstärken, sondern die angeschlossenen Lautsprecher souverän kontrollieren und den zugelieferten, feinen Röhrensound damit hörbar machen. Galion setzt dafür auf eine kraftvolle Class-AB-Schaltung in Transistorarchitektur, die nicht mit dramatischen Leistungsangaben protzt, sondern auf Stromlieferfähigkeit, Stabilität und ein ruhiges, kontrolliertes Verhalten unter Last setzt. Die nominellen 75 Watt pro Kanal wirken auf dem Papier unspektakulär, im Hörraum aber wird schnell klar, dass diese Endstufe mehr kann, als die Zahlen vermuten lassen. Dazu verfügt jeder Kanal über ein eigenes, konsequent aufgebautes Netzteil, das mit insgesamt 200.000 Mikrofarad an Siebkapazität und je einem eigenen, großzügig dimensionierten Ringkerntransformator selbst dynamisch anspruchsvolle Passagen mühelos abfedert und damit zeigt, was „echte“ 75 Watt bedeuten.

Beim Blick ins Innere zeigt sich der gleiche Pragmatismus, der schon die Vorstufe P75 auszeichnet. Kein übertriebenes Design, keine optische Effekthascherei, sondern zwei sauber strukturierte, symmetrisch aufgebaute Verstärkerzüge, in denen die Leiterbahnen kurz und die Signalwege logisch geführt sind. Auffällig sind die bereits erwähnten Batterien an Elektrolytkondensatoren in den Netzteilen, die für schnelle Stromlieferung bei niedrigen Innenwiderständen sorgen und damit zu jener Gelassenheit und Transparenz beitragen, die die A75 klanglich auszeichnen.

Auch an den Anschlüssen bleibt die A75 erfreulich klar. Neben RCA-Eingängen stehen vollsymmetrische XLR-Verbindungen bereit, die hier nicht nur als Zusatz dienen, sondern zum echten symmetrischen Aufbau gehören. Die Lautsprecherklemmen sind großzügig dimensioniert, fühlen sich hochwertig an und nehmen Kabel jeder üblichen Stärke sicher auf. Das Gehäuse ist massiv gefertigt, mit sauber gefrästen Kanten und einer Front, die sich durch ihre Schlichtheit angenehm zurücknimmt. Auf ihr findet sich, neben Logo und Modellbezeichnung, nur ein einziges Bedienelement: der rundum blau beleuchtete Hauptschalter. Man merkt der A75 an, dass sie als Arbeitsgerät konzipiert ist, nicht als Showpiece. Beim Blick von der Seite oder von oben auf die Endstufe fallen die massiven Kühlrippen auf, die dafür sorgen, dass die bei solchen Schaltungstypen hohen Verlustleistungen, die für den guten Klang mitverantwortlich sind, als Wärme abgeleitet werden. Alles an dieser Endstufe wirkt darauf ausgelegt, über viele Jahre hinweg zuverlässig und unaufdringlich die Grundlage für hochwertigen Musikgenuss zu bilden. Wie sich diese Sorgfalt im Hörraum bemerkbar macht, zeigt die Kombination dann sehr eindrucksvoll.

 

Blitzblanker Aufbau und ein enorm leistungsstarkes Netzteil im TS A75 Poweramp (Bild: Galion Audio)
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Ausstattung
+4 Stereo-Eingänge
+2 Stereo-Out
+Fernbedienung
+Endstufe mit optionalen XLR-Input
+sehr gute Verarbeitung
-Vorstufe ohne XLR-Ausgang
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