Hisense L9Q im Test:Messungen und Bildeindrücke
Die Maximalhelligkeit wird von Hisense sehr ehrlich angegeben. Im „Dynamic“-Modus erzielt der Proband mit „Helligkeitsverbesserung: Ultra“ exakt die beworbenen 5.000 Lumen. Naturgemäß ist das Bild zu kühl, weil die Laser ihre gesamte Helligkeit heraushauen, ungeachtet der Farbtemperatur. Im „Filmmaker“-Modus passen die Farben schon sehr gut. Wir entscheiden uns aber für den Bildmodus „Standard“ und messen kalibriert rund 30 Prozent mehr an Maximalhelligkeit gegenüber dem „Filmmaker“-Modus. Der Umgebungslichtsensor sollte zwingend ausgeschaltet werden, da dieser nicht nur die Lichtausbeute im verdunkelten Heimkino verringert, sondern auch das kalibrierte Farbspektrum verändert. Kalibriert messen wir netto satte 4375 Lumen. Die Lichtausbeute reicht aus, um strahlend helle Bilder auf Leinwänden bis zu 200 Zoll Diagonale (4,50 Meter Breite) zu erhalten – oder bei zunehmendem Umgebungslicht im Raum auf entsprechend kleiner dimensionierten Leinwänden.
Wie schon beim Hisense PT1 stimmt auch beim L9Q die Farbluminanz, weil keine „Brillant Color“-Technik aktiv ist, welche den Grundfarben noch Weiß hinzumischt, so dass die Farben blasser erscheinen. Das bestätigen auch die DeltaE-Werte, die mit 5,8 dE im Durchschnitt auf gutem Niveau sind. Der statische Kontrast von 2872:1 (On/Off) kann dynamisch auf bis zu 6030:1 gesteigert werden, was dynamisch ein sattes Schwarz von bis zu 0,73 Lumen bedeutet. Nativ beträgt der Schwarzwert 1,52 Lumen, was zu grauen Letterboxbalken führt. Die dynamische Regelung hinterlässt einen guten Eindruck, weil die Arbeitsweise sehr unauffällig ist. Der Farbraum Rec.709 wird zu 100 Prozent abgedeckt, Rec.2020 sogar mit fantastischen 105 Prozent, was sehr natürliche und satte HDR-Farben bewirkt. Das Gamma ist bereits ab Werk tadellos und sorgt, dafür, dass helle und dunkle Bereiche perfekt durchgezeichnet sind. Graustufenverlauf und Weißpunkt liefern ebenfalls ab. Sie sind auf Referenzniveau und ermöglichen eine vollkommene Farbneutralität. Die Ausleuchtung beträgt im Durchschnitt 97 Prozent, so dass weder Verfärbungen noch Abschattungen auf dem Bild zu verzeichnen sind, da die Abweichungen unter der Wahrnehmungsschwelle von 10 Prozent liegen.

- Der Farbraum Rec.2020 wird mit 105 Prozent reproduziert, was spektakuläre Farben in HDR-Filmen bewirkt. Grün geht sogar noch etwas über sein Ziel hinaus (Messung: Michael B. Rehders)

- Das Gamma 2.4 ist ebenfalls als Perfekt zu bezeichnen. Dunkle und helle Bereiche sind optimal durchgezeichnet (Messung: Michael B. Rehders)

- Der Graustufenverlauf bietet Referenzniveau über alle Abstufungen von 0 bis 100 Prozent (Messung: Michael B. Rehders)
HDR und SDR in der Praxis

- „West Side Story“ wird in HDR überaus plastisch reproduziert. Ins Restaurant „Frankfurters“ (ganz rechts) kann man sogar hineinschauen (Foto: Michael B. Rehders)
Zunächst einmal fällt auf, wie leiser der Hisense L9Q ist. Mit 27 Dezibel (A) ist er auf normale Sitzabstände im Wohnzimmer kaum noch zu hören. Sobald Filmsound erklingt, ist er gar nicht mehr auszumachen. Spielfilme und Apps sind bis zum Rand gestochen scharf zu sehen. Die Shift-Technologie überzeugt hierbei auf ganzer Linie. UHD-Signale werden deutlich über Full-HD-Auflösung reproduziert. Es gibt keinen Farbstich, Schattenbereiche sind optimal durchgezeichnet; hier gehen Messungen und Bildeindrücke miteinander einher. Der Regenbogen-Effekt fällt überraschend geringaus, so dass wir Farbblitze bloß in kontrastreichen dunklen Szenen ausmachen. Spielfilme besitzen das typische 3:2-Pulldownruckeln, weil der Proband 24-Hz-Signale in 60 Hz wandelt. Via MEMC lässt sich das aber korrigieren. Dafür schalten wir die „Judder-Minderung“ auf 4, so dass eine Reverse-Telecine stattfindet, die Spielfilme wieder in ihre ursprünglichen 24 fps zurückwandelt. Wer es noch flüssiger mag, kann die Bewegungsschärfe nach Geschmack weiter steigern, indem der Schieberegler weiter erhöht wird.
Als Maria in „West Side Story“ auf der Feuerleiter steht, leuchten die Fenster um sie herum so prachtvoll, wie auch wir es nicht täglich zu Gesicht bekommen. Zu verdanken ist das dem erweiterten Farbraums Rec.2020. Das Schwarz um Maria herum haben wir aber schon dunkler gesehen, trotzdem liegt kein Grauschleier auf dem Bild, was wir auf die extrem hohe Lichtausbeute zurückführen. Darüber hinaus sind alle Streben der Feuerleiter perfekt vom Schwarz abgesetzt. Während Maria später mit Freunden und Familie durch die Straßen tanzt und das Lied „America“ singt, zeigt die gute Bewegungsschärfe ihre Stärken: Gesichter, Häuser im Hintergrund und einzelne Personen sind gestochen scharf, während die Kameras schwenken. Applikationen auf den bunten Kleidern der Frauen sind bestens auszumachen. In der Nachtaufnahme vor dem „Gimbals“ können wir sogar in die Bar hineinschauen. Das dynamische Tone-Mapping leistet hier ganze Arbeit. In „Sully“ sind alle Inhalte auf den Displays am Times Square vorhanden.
Mit Live-Fußball gibt sich der Hisense L9Q ebenfalls keine Blöße. Das Spielfeld sieht satt Grün aus, die weißen Linien heben sich kontrastreich vom Rasen ab, einzelne Zuschauer sind auf der Tribüne auszumachen und die Rückennummern der Spieler sind bestens zu lesen. Der Ball rollt realistisch über den Rasen. Bei Flanken oder Schüssen aufs Tor „zerreißt“ er nicht, sondern bleibt natürlich rund. Der Hisense L9Q macht das wirklich gut. Insgesamt haben wir noch keinen Laser-TV auf unserem Testparcours gehabt, der ein besseres Bild gemacht hat.
Der gute Ton

- Die Stimme von Elvis klingt im gleichnamigen Film von Buz Luhrmann natürlich (Bild: Michael B. Rehders)
Dem guten Bildeindruck steht der Klang nicht nach, dank des verbauten 6.2.2-Audiosystem von Devialet, das 116 Watt Dolby-Atmos-Sound mit den 10 verbauten Lautsprechern inklusive eines kleinen Subwoofers liefert. Die Sprachverständlichkeit ist hervorragend. Männerstimmen tönen herrlich sonor und Frauenstimmen sind frei von Zischlauten. Die Pegel reichen aus, um auch größere Wohnzimmer adäquat zu beschallen. Wir wechseln den Tonmodus auf „Musik“, weil hiermit Stimmen und Umgebungsgeräusche noch klarer sind als in der Werkseinstellung. Actionszenen erzeugen ein wenig Druck, die Ortung von Stereo-Effekten in „Top Gun: Maverick“ funktioniert herausragend. Effekte von der Zimmerdecke sind erwartungsgemäß kaum auszumachen. Der verbaute Subwoofer lässt die Hosenbeine zwar nicht flattern, überzeugt aber mit seinem tiefen Fundament. In Summe sind Höhen, Mitteltöne und Bass auf dem Niveau von guten Soundbars. Wer diesbezüglich höhere Ansprüche hat, greift ohnehin zu einem 7.1.4-Soundsystem mit fetten Standboxen. Für einen Projektor ist das Klangerlebnis aber aller Ehren wert.

