Vincent SA-T7 Diamond im Test:Technologie
Diese PCF803 sind technisch interessant, weil sie Triode und Pentode in einem Kolben vereinen. Für Vincent hat das zwei Auswirkungen: Zum einen reduziert sich die Anzahl der benötigten Röhren im Vergleich zur MK-Ausführung, zum anderen ermöglicht diese Bauform eine andere Auslegung der Schaltung. Die PCF803 gelten auch als langlebig; die im Raum stehenden 10.000 Betriebsstunden dürften mehr als realistisch sein. Als Regulatorröhre bleibt die 85A2 Bestandteil des Konzepts. Sie übernimmt die Stabilisierung der Gleichspannung und ist ein vertrautes Element in der Schaltung. Ergänzt wird das Ganze durch Vincents eigene „BestPentode“-Topologie, die darauf zielt, die Verstärkung und Linearität einer Pentode mit einem möglichst niedrigen Rauschverhalten zu verbinden. Dazu kommt das sogenannte „Vimala“-Modul, das in der Stromversorgung und -kopplung für zusätzliche Ruhe sorgen soll.

- In jeden der beiden Stereokanäle arbeiten jeweils 2 exquisite Vorstufen-Röhren (Bild: Vincent)
Im Alltag unproblematisch

- Ein kleines Fenster erlaubt die Sicht auf die Regulator-Röhre, denn das Auge hört bekanntlich mit (Bild: Vincent)
Im Alltag zeigt sich die SA-T7 Diamond erfreulich unaufgeregt. Die Front bietet alles Wesentliche: Lautstärke, Quellenwahl, Bass- und Höhenregler, dazu Mute und die Möglichkeit, die Klangregelung komplett aus dem Signalweg zu nehmen. Letzteres ist kein Marketing-Feigenblatt, sondern praxisnah umgesetzt. Wer die Klangregelung nutzt, kann sie fein dosiert einsetzen; wer sie nicht möchte, schaltet sie konsequent ab. LED-Dimmung und Auto-Off liegen auf der Rückseite. Das sind Funktionen, die man einmal einstellt und dann vergisst – im positiven Sinn. Die Auto-Off-Schaltung kann in sehr leisen Passagen anfangs etwas zu früh reagieren. Nach kurzer Eingewöhnung weiß man, ob man sie schätzt oder deaktiviert.
Die Fernbedienung beschränkt sich auf das Nötige: Lautstärke, Quellenwahl, Mute. Mehr gibt es nicht, mehr braucht es nicht. Ein Punkt bleibt dennoch: Einschalten vom Hörplatz aus ist nicht vorgesehen. Vincent setzt hier klar auf die klassische Interaktion mit dem Gerät. Wer sich daran stört, wird es jeden Abend tun. Wer es akzeptiert, denkt nach kurzer Zeit nicht mehr darüber nach.
Da geht was rein

- Reichlich analoge Eingänge und Bluetooth 5.0 – nur leider kein Phono-Input (Bild: Vincent)
Sechs analoge Cinch-Eingänge decken die meisten Szenarien ab. Digital stehen S/PDIF optisch und koaxial sowie Bluetooth 5.0 zur Verfügung. Im Inneren arbeitet ein DAC auf Basis des Texas-Instruments-PCM5102. USB fehlt, ebenso eine Streaming-Sektion. Auch ein Phonoteil oder ein Kopfhörerausgang sind nicht an Bord, symmetrische Anschlüsse ebenfalls nicht. Vincent macht keinen Hehl daraus: Die SA-T7 Diamond soll eine klangfokussierte Vorstufe sein, kein hipper All-in-one-Hub.
Interessant ist die Anschlusslogik. Der Quellenwahlschalter bietet sechs Positionen. Die digitalen Eingänge werden über eine separate Taste aktiviert und belegen dann definierte Schalterpositionen. So lässt sich die Zahl der nutzbaren Quellen erhöhen, ohne den Schalter selbst zu vergrößern oder das Bedienkonzept zu verkomplizieren. Das gelingt im Alltag erstaunlich selbstverständlich. Man drückt eine Taste, dreht den Regler, und hört Musik – ganz ohne Menü mit Display-Labyrinth.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die Ausgangssektion. Neben einem festen Tape-Out gibt es zwei regelbare Pre-Out-Paare mit unterschiedlichen Ausgangsimpedanzen: 607 Ohm und 45 Ohm. Damit lässt sich die Anpassung an verschiedene Endstufen variieren. Vincent gibt an, dass beide Ausgänge bei Endstufen mit mindestens 10 kOhm Eingangsimpedanz gleichwertig nutzbar sind, auch parallel für Bi-Amping. Für Endstufen mit Übertrager-Eingang empfiehlt sich der 607-Ohm-Ausgang. Solche Optionen sind selten, aber in der Praxis durchaus relevant. Wer mit verschiedenen Endstufen experimentiert oder langfristig plant, erhält hier echte Flexibilität.

