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Wie entsteht Raumakustik?

Vorhang auf: Die großen mehrlagigen Absorber in den hinteren Raumecken sind die einzigen optisch kaschierten Elemente. Hinter den Aluminiumplatten befindet sich eine HDF-Konstruktion und Dämmstoff

Die wahre Kunst des Raumakustikers besteht also vor allem darin, das richtige Maß von Einflussnahme in die Raumakustik zu finden; um subjektiv formulierte Klangkriterien wie Lebendigkeit, Räumlichkeit, tonale Homogenität und Transparenz zu optimieren, müssen zwei grundlegende Parameter, auf die sich die Raumakustik technisch gesprochen reduzieren lässt, ins passende Verhältnis zueinander gesetzt werden: Hall und Dynamikbandbreite. Diese beiden gegenpoligen Eigenschaften charakterisieren den Signalverlauf insgesamt und damit Kriterien wie Tonalität, Zeitrichtigkeit und Räumlichkeit. Aber warum klingt ein Raum wie er klingt und wie wird generell Raumakustik modifiziert? Für die akustische Charakteristik sind zum einen seine geometrischen Eigenschaften verantwortlich: Die Größe und die Form eines Raumes inklusive etwaiger besonderer Merkmale wie Dachschrägen, Erker, Durchgänge, Nischen oder Säulen bestimmen wesentlich wie er klingt.

Dazu spielen die Materialien aus denen Wände, Decke, Türen, Bodenbelag und Einrichtung bestehen sowie Position und Größe von Fensterflächen und Mobiliar eine ebenso große Rolle bei der Ausprägung der Raumakustik. Weiche, mehr oder weniger verworfene und deshalb stark absorbierende Oberflächen wie Teppiche, Polstermöbel und dickere Vorhänge wirken dämpfend und führen bei entsprechender Menge zu einem müden, dumpfen und wenig differenzierten Klang: Je höher die Frequenz des auf sie auftreffenden Schalls ist, desto stärker absorbieren schallschluckende Materialien.

Wer als Audiophiler entsprechende Maßstäbe an die Raumakustik anlegt, kommt um spezielle Akustik-Elemente nicht herum

Glatte, feste und daher so genannte schallharte, stark reflektierende Oberflächen dagegen fördern ein brillantes, dynamisch wirkendes und helleres Klangbild. Viele moderne Gebäude und Einrichtungen mit Steinboden beziehungsweise Fliesen, großen Fensterflächen und reduzierter Möblierung reflektieren besonders mittlere und hohe Frequenzen stark, erzeugen dadurch zu viel Hall und stören so die Differenzierung und tonale Ausgewogenheit des Klangs.

Ein besonders gravierendes Problem ergibt sich für die ausgewogene Raumakustik darüber hinaus durch so genannte Raum-Moden, womit allerdings keine urban-kühlen Loft-Ambiente gemeint sind: Abhängig von seiner Geometrie weist jeder Raum eine ganz spezifische Resonanzfrequenz-Verteilung auf. Das bedeutet, dass die Relation zwischen den Wellenlängen einzelner Musiksignale und den Abmessungen des Raumes bei bestimmten Tönen eine inhomogene Energieverteilung im Raum hervorruft; berühmt-berüchtigte Boom-Bässe sind die Folge. Überhöhungen oder die ebenfalls von der Raumgeometrie bedingten Auslöschungen bestimmter Frequenzen lassen sich nie ganz vermeiden, doch zum Glück bietet die angewandte Raumakustik auch hier Möglichkeiten, die die Praxis weniger grau klingen lassen als die Theorie. Allerdings erfordert die diesbezügliche Optimierung eines Hörraumes relativ großen Aufwand, denn langwellige, energieintensive Signale werden von Hausgebrauchsmitteln wie Möblierung oder Oberflächenbelägen nur minimal beeinflusst – wer als Audiophiler eine sehr hochwertige Anlage sein Eigen nennt und entsprechende Maßstäbe an die Raumakustik anlegt, kommt um spezielle Akustik-Elemente auch abgesehen von der Moden-Problematik ohnehin nicht herum.

An den Seitenwänden sind die Sperrholzkästen mit unterschiedlich tiefen Ausschalungen versetzt zueinander angeordnet, um ein exakt berechnetes Profil zu bilden
Die ähnlich aufgebauten Diffusoren an der Decke sind minimal beweglich aufgehängt
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